Politische Theorie im Iran

„The establishment of an ethics-based order in human society and the
internalization of ethical values are among the great aims of the
prophets and other right-minded people. This makes possible the happy
life that is the ideal of all nations and cultures.“ – So die Einladung zu einer internationalen Konferenz im Iran nächstes Jahr im Mai mit dem Titel „Human Rights and Ethics“. Was davon zu halten ist, kann ich nicht beurteilen, spannend klingt es aber in jedem Fall. Hier noch die Details zum Programm und zu den organisatorischen Dingen:

1) Ethical Foundations of Human Rights
– Ethical Evaluation of Human Rights Rules
– Human Rights & Absolute or Relative Ethics
– Human Rights, Universal Ethics & Ethical Values of Religions

2) Human Rights, Ethics & Sharia
– Position of Ethics in Interaction between Human Rights & Sharia
– Sharia, Sanction of Ethics & Human Rights
– Ethical System‐Making Based on the Scriptures & Human Rights

3) Human Rights, Ethics & State
– Human Rights, Ethics & Democracy
– Human Rights, Ethical Society & Good Governance
– Human Rights, Ethics & Different Types of State

4) Human Rights, Contemporary Challenges & Ethical Solutions
– Human Rights & Bioethics
– Human Rights & Environmental Ethics
– Human Rights, Global Trade & Ethical Values
– Human Rights, Extreme Poverty & Ethical Solutions
– Human Rights, Ethical Interaction & Social Co‐Existence
– Human Rights, Ethics & Family

Authors are requested to email a 250-word abstract in Microsoft Word
format (in English, Persian or Arabic) to the Center by 6 December
2010, including the title, author’s name, postal and e-mail addresses
as well as telephone and/or fax numbers.

Abstracts will be reviewed by the Board of Referees of the Conference
and then the authors of the accepted abstracts will be requested to
email their papers (at most 5000 words) by 21 January 2011 for final
review. Therefore, the acceptance of an abstract does not imply the
acceptance of the paper.

Papers must be exclusively prepared for this conference, not having
been submitted for any other conferences or previously published.

The accepted papers will be presented during the conference either by
poster or by presentation. CHRS will be pleased to provide the
authors of the accepted papers with the accommodation and meals
during the conference as well as transportation from Imam Khomeini
International Airport to Qom and return. Others need to pay
registration fee and to cover all the expenses.

Contact:

Center for Human Rights Studies
Mofid University
Sadoogi Boulevard
P.O. Box 37185-3611
Qom
Iran
Tel: +98-251-2925764
Fax: +98-251-2903551
Email: chrs@mofidu.ac.ir; chrs2003@gmail.com
Web: http://www.mofidu.ac.ir

8 Kommentare zu “Politische Theorie im Iran

  1. @Don Gomez – Interessantes, beziehungsweise: erschütterndes Antwortschreiben. Da kann ich nichts mehr nachlegen!

  2. Ich habe noch einen interessanten Artikel aus dem Guardian gefunden, der ein paar bedenkenswerte Argumente gegen die Absage bringt: http://www.guardian.co.uk/commentisfree/libertycentral/2010/oct/06/iran-world-philosophy-day-unesco – Der Autor vergleicht die Situation im Iran mit der in der ČSSR der 70er Jahre, nur dass dort und damals kritische Philosophen aus dem Westen anfingen, Untergrundseminare zu geben. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man dies tut oder an einer Konferenz teilnimmt, die sich das Regime zu Propagandazwecken unter den Nagel gerissen hat. In diesem Fall mag es darum die richtige Entscheidung, gerade der UNESCO, gewesen sein, abzusagen. Höffe statement aber, man könne „als Philosoph“ nicht mehr tun als einfach abwarten, bis sich die Situation im Iran ändert, finde ich grundfalsch. Wäre es nicht dringend geboten, nach anderen Möglichkeiten zu suchen, die Kolleginnen und Kollegen im Iran, die sich dem freien Diskurs verschrieben haben, zu unterstützen und zu versuchen, den gehijackten offenen Austausch auf anderem Wege zu ermöglichen?

  3. Auch ich habe am Weltkongress der Philosophie in Tehran teilgenommen, aber es scheint eine andere Veranstaltung gewesen zu sein als diejenige, von der Reinhard Brandt in der FAZ berichtete. Hier mein Leserinnenbrief zu seinem Artikel:

    An die FAZ-Redaktion

    Unter dem Motto „Philosophie, Kulturelle Vielfalt und Annäherung der Kulturen“ sollte im November 2010 in Teheran die Hauptveranstaltung anlässlich des Welttages der Philosophie stattfinden. Dieser Tag wurde 2002 von der Unesco aus der Überzeugung etabliert, dass die Philosophie einen gewichtigen Beitrag zu globalen Prozessen der Verständigung, der Toleranz und des Friedens leisten kann. Widerspruch und Kritik sind damit nicht ausgeschlossen, doch an erster Stelle stehen Offenheit, Respekt, die Bereitschaft zuzuhören sowie die Suche nach Gemeinsamkeiten. Speziell gehört dazu die Begegnung und Auseinandersetzung mit nicht-westlichen Philosophien und Denktraditionen. Um so unverständicher und bedauerlicher, dass die Unesco unter dem Druck politischer Lobbygruppen ihre eigenen Prinzipien aufgab und Teheran kurzfristig die Schirmherrschaft entzog.

    Nichtsdestotrotz hat der Kongress stattgefunden, und zwar bestens organisiert, lebendig und diskussionsfreudig, mit Gästen aus aller Welt und nicht zuletzt mit einem enormen Andrang iranischer AkademikerInnen und StudentInnen. Wer allerdings, wie der Autor dieses Berichtes, mit säkular-eurozentrischen Scheuklappen und der Überzeugung angereist war, dass die Prinzipien einer Islamischen Republik (sprich: Religion) und Philosophie per se nicht miteinander kompatibel sind, musste sich wohl fehl am Platze fühlen. Die zahlreichen Beiträge, mit denen eine Verständigungsbrücke zwischen westlicher und islamischer Philosophie zu schlagen versucht wurde, sind für ihn „entlegene Themen“, über die sich kaum ein Wort zu verlieren lohnt. Statt dessen die Selbststilisierung zum tapferen Verteidiger der abendländischen Philosophie – inklusive Demokratie und Menschenrechten – vor „Mullah-Thronen“. Doch die freundlich-vernünftige Kongressroutine bot keinen Anlass, aufzuschreien oder aufzutrumpfen. Bis dann endlich am letzten Tag doch noch zwei Mullah-Wölfe (scheinbar) ihren Schafspelz fallen liessen.

    Was war geschehen? Ein in Rechtsphilosophie promovierter Geistlicher beendete sein Panel-Referat vor ca. fünfzig Zuhörern mit einer in der Tat skandalösen These bezüglich der Menschenrechte aus islamischer Sicht. Statt jedoch diese nach dem ersten Schock auf ihren inneriranischen und islamischen Bedeutungsgehalt zu hinterfragen, setzt der Autor des Kongressberichtes sie umstandslos (und offensichtlich ahnungslos) mit der iranischen Herrschaftsideologie und sogar mit der auf dem Kongress dominierenden Einstellung zu den Menschenrechten gleich. Selbst die am Ende protestierenden Zuhörer finden vor seinen gestrengen Blicken keine Gnade, sondern werden abgekanzelt, einer „wahrhaft bestialischen Rede … demütig und widerspruchslos gelauscht“ zu haben (in krassem Gegensatz natürlich zu den stets und ausnahmslos geistesgegenwärtig-couragierten deutschen PhilosophieprofessorInnen und -studentInnen). Wer so eine einzige, zweifellos zu Kritik und Protest Anlass gebende Veranstaltung zum Urteil über den gesamten Kongress, ja ueber die Situation der Philosophie im Iran verallgemeinert, handelt nicht nur höchst unfair, sondern schlägt mit grosser Geste die kaum einen Spalt breit geöffnete Tür wieder zu, und zwar zur Kommunikation selbst mit denjenigen, welche die Ansichten dieses Referenten als inhuman und den islamischen Grundprinzipien widersprechend ablehnen.

    Dass sich bei philosophischen Vorträgen und Diskussionen in einem vielsprachigen Kreis nahezu unvermeidlich Missverständnisse einschleichen – sei es aufgrund von Übersetzungsfehlern oder von unterschiedlichen Denkmustern und Diskussionszusammenhängen – wird aus dieser Einstellung gar nicht erst in Erwägung gezogen, sondern das, was man hört und sieht direkt und endgültig durch die Raster der eigenen Normen, Werte und Überzeugungen gesiebt. So wird dem iranischen Justizminister Ayatollah Larijani (der zweite aus dem Schafspelz gekrochene Wolf) die Behauptung zugeschrieben, dass die Geisteswissenschaften im Iran „jetzt und künftig unter der Leitung der islamischen Religion“ stehen. Hat der Redner sich unklar ausgedrueckt? War der Übersetzer vom Persischen ins Englische müde? Gab es Probleme beim Transfer vom Englischen ins Deutsche? Larijani selbst weist diese Darstellung jedenfalls als ein Missverständnis zurück. Er habe vielmehr gesagt, die aus dem Westen importierten Geisteswissenschaften könnten zwar im Iran gelehrt werden, müssten jedoch – wie in jeder Gesellschaft – auf ihre Voraussetzungen, ihre Ziele und den mit ihnen verbundenen Lebensstil überprüft werden (http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/11/world-philosophy-day-clos.html) Hätte der Autor des Berichtes noch einmal nachgefragt oder eine Suchmaschine bemüht, wäre dieser „Skandal“ also zumindest um einige Nummern kleiner ausgefallen.

    Larijanis Sichtweise ist ausserhalb Europas weit verbreitet. Statt weiter zu versuchen, durch einen Dominanzanspruch über Inhalte und Diskursregeln, wenn nicht gar mit Mätzchen, die eher in einen Kindergarten passen, die etablierte eurozentrische Weltordnung der Philosophie zu verteidigen, sollten der Horizont erweitert und Verständigungsprozesse initiiert werden – so wie es ja eigentlich nach den Unesco-Statuten dem Sinn des Welttages der Philosophie entspricht.

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