Stipendien in Heidelberg und eine Mitarbeiterstelle in Hamburg

Zwei weitere Möglichkeiten für Theoretiker, sich den Lebensunterhalt zu sichern: Zum einen sind zum 1.11 fünf Stipendien für ein Graduiertenkolleg über „Die Grenzen der Zivilgesellschaft“ in Heidelberg ausgeschrieben (Achtung: Bewerbungsschluss Ende September), zum anderen sucht die Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg nach einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, der zwar nicht Theoretiker sein muss, es aber sein kann, wenn er auch Expertise aufzuweisen hat im Feld der Europäischen Union und der Analyse politischer Systeme.

 Ausschreibung Heidelberg

Im Rahmen des von der Landesgraduiertenförderung finanzierten Promotionskollegs der Universität Heidelberg sind ab dem 01.11.2010 sechs Promotionsstipendien (1.110€ pro Monat) für eine Laufzeit von maximal drei Jahren zu vergeben. Die institutionelle Durchführung des Promotionskollegs erfolgt in Zusammenarbeit des Instituts für Soziologie mit dem Centrum für soziale Investitionen und Innovationen (CSI). Die Promotion ist in ein strukturiertes Ausbildungsprogramm eingebettet (Themen, Veranstaltungen und Studienprogramm können hier nachgesehen werden); es wird deshalb erwartet, dass die Stipendiaten ihren Wohnsitz nach Heidelberg verlagern.

Die Zivilgesellschaft hat sich mittlerweile zu einem zentralen Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Diskussion entwickelt. Der „Dritte Sektor“ erlebt seit Jahrzehnten weltweit ein beispielloses Wachstum und vieles deutet darauf hin, dass zivilgesellschaftliche Strukturen für die politische und wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind. Zugleich kritisieren jedoch viele Studien, dass das Konzept der Zivilgesellschaft in hohem Maße unscharf ist, teilweise mit unrealistischen Erwartungen überfrachtet wird und eine große Zahl von unterschiedlichen – teilweise widersprüchlichen – Ideen und Werten reflektiert. Die Zivilgesellschaft soll demnach eine Art Gegengewicht zum Staat bilden, die Autonomie der Bürger stärken, staatlichem Despotismus Grenzen setzen u.v.m. Diese vielfältigen Funktionszuschreibungen konvergieren zumeist im normativen Leitbild einer universalen und demokratischen Zivilgesellschaft, dessen Erwartungen oft so hoch sind, dass auch viele zivilgesellschaftliche Akteure sie nicht einlösen können. Die Gründe dafür beruhen zum einen darauf, dass die Institutionalisierung der Zivilgesellschaft stets innerhalb eines spezifischen räumlichen, historischen und sozialen Kontextes erfolgt. Dies impliziert zwangsläufig die Ziehung von Grenzen und damit auch Ausgrenzung. Hinzu kommen die nicht-intendierten Folgen zivilgesellschaftlichen Handelns sowie ambivalente Handlungsstrategien der Akteure.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich das Graduiertenkolleg auf die kulturellen und strukturellen Widersprüche und Ambivalenzen, die immanent mit der Institutionalisierung des normativen Leitbilds der Zivilgesellschaft verbunden sind. In den Forschungsarbeiten des Kollegs wird untersucht, in welchen Diskursen, Strukturen und Handlungsformen sich die Grenzen der Zivilgesellschaft manifestieren. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf (1) kulturelle Codes, welche die Mitgliedschaft in der Zivilgesellschaft an partikulare Räume, Zeiten und Inhalte binden und dabei Bedingungen der Ausgrenzung gleich mitdefinieren, (2) strukturelle Konstellationen und Verteilungsmuster von (materiellen und immateriellen) Ressourcen, welche die Handlungsmöglichkeiten der Akteure (mehr oder weniger) einschränken und (3) ambivalente Handlungsstrategien der Akteure, die zwischen unterschiedlichen Wertbezügen des Handelns schwanken. Die Promotionsprojekte können in theoretischen und empirischen Studien verschiedene Fragestellungen aus diesen drei Bereichen miteinander verbinden. Das Gesamtkonzept des Kollegs kann mit einer ausführlichen Beschreibung zu einzelnen Projektfeldern und möglichen Themen hier eingesehen werden.

Bewerberinnen und Bewerber sollten einen überdurchschnittlichen Studienabschluss vorzugsweise in der Soziologie oder einem benachbarten Fach nachweisen. Insbesondere qualifizierte Frauen werden um ihre Bewerbung gebeten. Die Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnis, gegebenenfalls Publikationsverzeichnis) sollten ein Exposé von maximal acht Seiten einschließen, in dem das geplante Vorhaben und die Umsetzung skizziert und in das Forschungsprogramm des Kollegs eingeordnet werden. Nähere Auskünfte erteilt der Sprecher des Promotionskollegs Prof. Dr. Thomas Kern (thomas.kern@soziologie.uni-heidelberg.de).

Die Bewebungsunterlagen senden Sie bitte bis zum 30. September 2010 an:

Universität Heidelberg
Institut für Soziologie
Alexander Ruser, M.A.
Promotionskolleg „Die Grenzen der Zivilgesellschaft“
Bergheimer Str. 58
69115 Heidelberg

Ausschreibung Hamburg
An der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ( HSU /UniBw H) ist in der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Institut für Politische Wissenschaft, die Stelle einer/s
wissenschaftlichen Mitarbeiters/in
(Entgeltgruppe 13 TvöD)
für die Zeit vom 01.01.2011 befristet bis zum 31.12.2011 zu besetzen.
Es werden Dienstleistungen für die politikwissenschaftlichen Bachelor- und Master-Studiengänge erwartet. Bewerber/innen sollen in den Themenbereichen der Analyse und des Vergleichs politischer Systeme ausgewiesen sein. Die Fähigkeit zur Lehre über Themen der Europäischen Union ist erwünscht.
Bewerbungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine Promotion im Fach Politikwissenschaft.
Die Aufgaben umfassen weiterhin Lehre mit einer Lehrverpflichtung von bis zu 6 Trimesterwochenstunden, wissenschaftliche Dienstleistungen und die Beteiligung an der akademischen Selbstverwaltung.
Die Befristung richtet sich nach den Bestimmungen des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst (TVöD) in Verbindung mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG).
Nähere Informationen über die Universität finden Sie unter der Internetadresse www.hsu-hh.de.
Die Universität bietet eine Campus-Atmosphäre, überschaubare Studentengruppen und eine gute Infrastruktur.
Jeder Dienstposten steht weiblichen und männlichen Bewerbern gleichermaßen offen. Die  HSU /UniBw H hat sich die berufliche Förderung von Frauen zum Ziel gesetzt. Daher werden Bewerbungen von Frauen besonders begrüßt.
Schwerbehinderte Menschen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.
Bewerbungen sind unter Nennung der Kennziffer ( WiSo  – 22) bis zum 30.09.2010 zu richten an die
Helmut-Schmidt-Universität
Universität der Bundeswehr Hamburg
– Personaldezernat –
Postfach 70 08 22, 22008 Hamburg
(personaldezernat@hsu-hh.de)

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