Kolonialen Strukturen und ihren Verwerfungen nähert sich die Politische Theorie und Ideengeschichte seit rund einem Jahrzehnt nicht nur von den Postcolonial Studies aus, sondern auch von Seiten der Imperientheorie. Die Fragestellungen jener, von Historikern wie Politikwissenschaftlern unternommenen, Versuche der Theoriebildung sind dabei grundlegend andere als die der postkolonialen Ansätze: Makrostrukturen und -dynamiken imperialer Ordnungen, Herrschaftslogiken , Formen der Machtdurchsetzung und Gründe für den rise, decline and fall großer Reiche stehen im Vordergrund, verallgemeinernd gesprochen, genuin politikwissenschaftliche und nicht so sehr soziologische oder kulturgeschichtliche Fragestellungen. Für Politiktheoretiker, die sich für die Verknüpfung von Geschichtsanalyse und Theoriebildung im Hinblick auf Imperien interessieren, gibt es nun mit „Empires in World History“ aus der Feder zweier US-Historiker eine neue Einführung in die Materie, die versucht, den Nutzen und die Plausibilität des Imperienkonzepts direkt anhand des geschichtlichen Gegenstands zu demonstrieren, und dabei trotz ihres Einführungscharakters (keine Fußnoten!) durchaus theoretisch auf der Höhe der Zeit ist. (weiterlesen…)
Beiträge mit dem Schlagwort ‘Rezensionen’
Lesenotiz: Neues von alten Imperien
31. Oktober 2011, evaGroßartig: Philosopher’s Digest
24. August 2010, cordHabe gerade beim sinnlosen surfen zum Nachmittagskaffee bei einer für meine Arbeit essentiellen Internetrecherche dieses großartige Portal gefunden: Philosopher’s Digest. Auf der Website werde aktuelle Aufsätze aus den großen philosophischen Fachzeitschriften von verschiedenen RezensentInnen zusammengefasst und kritisch diskutiert. Per Kommentarfunktion können sich die LeserInnen an der Diskussion beteiligen. Es handelt sich also quasi um ein interaktives Rezensionsportal für philosophische Paper. Zwar ist relativ wenig aus der politischen Philosophie dabei, aber für die Ethik sieht es schon besser aus und wer sich für theoretische Philosophie interessiert, wird seine helle Freude haben. Insgesamt scheint das Projekt noch relativ am Anfang zu stehen (d.h. relativ wenig Content), die Idee und die Umsetzung finde ich aber bereits jetzt sehr gelungen!
Neu im Netz: Portal Ideengeschichte und PW-Portal
12. August 2010, cordIn der deutschen Politikwissenschaft lässt sich in den letzten Wochen eine Art digitaler Gründungsboom beobachten: Auf einer Domain der Universität Marburg betreibt das Team um Thomas Noetzel, Jörg Probst und Remko Leemhuis seit Kurzem ein interdisziplinäres Portal für ideengeschichtliche Politikforschung, auf dem neben Rezensionen und Essays auch eine Bilddatenbank zur politischen Ideengeschichte angeboten werden soll. Außerdem gibt es eine Rubrik “Zombie des Monats“, was sich auf jeden Fall vielversprechend anhört, auch wenn mir noch nicht ganz klar ist, welchen Zombiebegriff die Autoren vertreten (nach der Typologie von David Chalmers kann man zwischen dem klassisch-haitianischen, dem Hollywood- und dem philosophischen Zombie unterscheiden…). Noch findet sich zwar relativ wenig Content auf der Seite, das Projekt sieht aber bereits jetzt sehr spannend aus. (weiterlesen…)