Lesekreis zu Axel Honneths “Das Recht der Freiheit”
In einigen Tagen, am 21. November, startet hier auf dem Theorieblog ein Online-Lesekreis zu Axel Honneths neuem Buch „Das Recht der Freiheit“. Im Gegensatz zur klassischen Lesegruppe hat das viele Vorteile: Jede/r Interessierte kann sich – unabhängig vom geographischen Standort – beteiligen, ist völlig frei, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit sie oder er sich wie intensiv einbringen möchte, und trifft vielleicht auf Diskussionspartner, die sich von den „üblichen Verdächtigen“ der Heimatinstitution unterscheiden. Mit Axel Honneths „Das Recht der Freiheit“ haben wir uns für ein Buch entschieden, dem man – geht man allein von den zahlreichen (und kontroversen) Besprechungen aus – ein großes Interesse / einen wichtigen Stellenwert innerhalb der politisch-philosophischen Debatte attestieren kann. Kein Wunder, legt hier doch eine der einflussreichsten Figuren der zeitgenössischen philosophischen Landschaft den Versuch vor, die Gerechtigkeitstheorie grundlegend neu auszurichten – als kritische Gesellschaftsanalyse. Dass Honneths Ausgangspunkt dabei eine Kritik der vorherrschenden (Kantianischen Gerechtigkeitskonzeptionen ist (denen er eine eklatante Vernachlässigung der gesellschaftlichen Wirklichkeit vorwirft), ist dabei offensichtlich ebenso umstritten wie das gewählte Verfahren der normativen Rekonstruktion, der spezifische Rückgriff auf Hegel, Honneths Analyse der modernen Gesellschaft und ihrer Pathologien, sowie schließlich die Konzeption einer „demokratischen Sittlichkeit“ – und damit sind nur einige der zentralen (Streit-)Punkte genannt. Es gibt also einiges zu besprechen…
Dieser Eintrag soll den Einstiegspunkt in unsere Diskussion bilden, Struktur und Plan für den Lesekreis skizzieren, sowie einige Hinweise zum Mitdiskutieren anbieten, und hier sind auch die Diskussionen der einzelnen Abschnitte verlinkt. Für die Dauer des Lesekreises hat diese Übersichtsseite daher auch einen eigenen Platz in der Navigationsbar des Theorieblogs.
Zur Struktur:
Wir werden uns das Buch innerhalb von zwölf Wochen in zwölf Abschnitten vorknöpfen, die unten aufgelistet sind. Jeder Abschnitt wird von einem einführenden Kommentar eröffnet, den jeweils ein Mitglied unseres „Kernteams“ – normalerweise sonntags – als neuen Blog-Eintrag online stellt. Die gemeinsame Diskussion des jeweiligen Abschnitts erfolgt dann einfach über die Kommentarfunktion, so dass die gesamte Diskussion jederzeit für jede/n einsehbar ist und an der sich selbstverständlich auch jede/r jederzeit beteiligen kann. Zur Veranschaulichung: am Montag, den 21. November, stellt Jens Olesen den einführenden Kommentar zum ersten Abschnitt (S. 1-80) online. Ab dann kann dieser Abschnitt diskutiert werden. Idealerweise sollte man also den entsprechenden Abschnitt bis dahin gelesen haben, um mitreden zu können. Eine Woche später ist das nächste Kapitel mit der nächsten Diskussion dran – was aber nicht notwendig bedeutet, dass damit die „alte“ Diskussion zu Ende sein muss. Sie bleibt natürlich online, so dass man dort auch weiterhin kommentieren oder sich eben die Diskussion eines zurückliegenden Abschnitts noch einmal durchlesen kann. Außerdem ermöglicht dies, dass ihr auch in Euren Kommentaren auf zurückliegende Diskussionen verweisen (d.h., verlinken) könnt.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Aus unserem “Kernteam” (d.h. dem Kreis der unten stehenden Kommentatorinnen und Kommentatoren) stellt jede Woche jemand den Diskussionseinstieg bereit, und auch sonst werden wir regelmäßig mitdiskutieren. An den Diskussionen können und sollen aber alle teilnehmen, die Lust darauf haben.
Regeln:
Besondere Regeln gibt es nicht viele. Grundsätzlich gelten die normalen Blog-Regeln; das heißt, ihr solltet neben der Netiquette vor allem darauf achten, dass Eure Kommentare nach Möglichkeit nicht zu lang werden – damit sie auch gelesen werden und eine dynamische Diskussion aufkommen kann. Bei den Beiträgen bemühen wir uns ebenfalls um Kürze und Griffigkeit. Nachdem wir letztlich eben doch ein Buch lesen, ist es außerdem wichtig, bei Zitaten, Verweisen, etc. die entsprechenden Seitenzahlen anzugeben. Übrigens: natürlich kann man auch über das Buch hinaus querverweisen. Wenn die entsprechenden Artikel o.ä. online verfügbar sind, kann man das schön verlinken!
Los geht’s:
Und damit kann es dann eigentlich auch schon losgehen! Und wer sich schon einmal einstimmen möchte, kann ja z.B. in die Einleitung (nebst Inhaltsverzeichnis) hineinlesen, sich Honneths Eröffnungsvortrag auf dem Hegelkongress in Stuttgart „Von der Armut unserer Freiheit. Größe und Grenzen der Hegelschen Sittlichkeitslehre“ oder auch die Debatte zum Buch zwischen Axel Honneth und Udo di Fabio anhören.
Wir freuen uns auf die gemeinsame Diskussion und wünschen allen viel Spaß damit!
Teil A: Historische Vergegenwärtigung: Das Recht der Freiheit
21. November:
Einleitung (Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse), Teil I (Die negative Freiheit und ihre Vertragskonstruktion) und Teil II (Die reflexive Freiheit und ihre Gerechtigkeitskonzeption) (S. 14-80) – Einführungs-Kommentar: Jens Olesen (Oxford)
28. November:
Teil III (Die soziale Freiheit und ihre Sittlichkeitslehre) und Übergang (Die Idee der demokratischen Sittlichkeit) (S. 81-126) – Einführungs-Kommentar: Paul Sörensen (Jena)
Teil B: Die Möglichkeit der Freiheit
5. Dezember:
Teil I (Rechtliche Freiheit) (S. 129-172) – Einführungs-Kommentar: Wulf Loh (Berlin)
12. Dezember:
Teil II (Moralische Freiheit) (S. 173-218) – Einführungs-Kommentar: Andreas Busen (Hamburg)
Teil C: Die Wirklichkeit der Freiheit
19. Dezember:
Teil III.1 (Das „Wir“ persönlicher Beziehungen: a. Freundschaft + b. Intimbeziehungen) (S. 221-276) – Einführungs-Kommentar: Maike Weißpflug (Aachen)
9. Januar:
Teil III.1 (Das „Wir“ persönlicher Beziehungen: c. Familien) (S. 277-316) – Einführungs-Kommentar: Susanne Schmetkamp (Basel)
16. Januar:
Teil III.2 (Das „Wir“ des marktwirtschaftlichen Handelns: a. Markt und Moral. Eine notwendige Verklärung) (S. 317-360) – Einführungs-Kommentar: Simon Derpmann (Münster)
23. Januar:
Teil III.2 (Das „Wir“ des marktwirtschaftlichen Handelns: b. Konsumsphäre) (S. 360-410) – Einführungs-Kommentar: Amir Mohseni (Münster)
30. Januar:
Teil III.2 (Das „Wir“ des marktwirtschaftlichen Handelns: c. Arbeitsmarkt) (410-470) – Lisa Herzog (St. Gallen)
6. Februar:
Teil III.3 (Das „Wir“ der demokratischen Willensbildung: a. Demokratische Öffentlichkeit) (S. 474-567) – Volker Heins (Frankfurt/Montreal)
21. Februar:
Teil III.3 (Das „Wir“ der demokratischen Willensbildung: b. Demokratischer Rechtsstaat) (S. 567-612) – Thorsten Thiel (Frankfurt)
27. Februar (Abschlussdiskussion):
Teil III.3 (Das „Wir“ der demokratischen Willensbildung: c. Politische Kultur – ein Ausblick) (S. 612-624)
Zusatzdiskussion:
Die Kunst und die Freiheit: Über Honneths Gebrauch von Literatur und Film
Hinweisen sollte man an dieser Stelle auf ein dereit an der Goethe-Universität stttfindendes Seminar zu Hegels Gesellschaftstheorie und Versuchen ihrer Reaktualisierung, das sich einerseits mit den Grundlinien der Philosophie des Rechts, andererseits mit Axel Honneths Recht der Freiheit lektürekursartig auseinandersetzt.
Seit dem Wochenende sind auf http://honnethpodiumberlin.blogspot.com/ Audiomitschnitte der Podiumsdiskussion, veranstaltet vom Lehrstuhl Praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie des Instituts für Philosophie, Humboldt-Universtität zu Berlin, zu hören und herunterzuladen.
Teilnehmer:
Axel Honneth (J.W. Goethe-Universität Frankfurt/Columbia University New York)
Ute Frevert (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin)
Heiner Ganßmann (Freie Universität Berlin)
Christoph Möllers (Humboldt-Universität zu Berlin)
Moderation:
Rahel Jaeggi (Humboldt-Universität zu Berlin)
Mit den besten Grüssen aus Berlin
Lieber Rüdiger,
vielen Dank für den Hinweis! Allen, die nicht dabei waren, kann ich die Diskussion – und insbesondere den Beitrag von Ute Frevert – wärmstens empfehlen.