Krisendiagnosen der Demokratie – Einige Lesenotizen

Im letzten Semester habe ich an der Goethe-Universität in Frankfurt ein Seminar zum Thema “Krisendiagnosen der Demokratie” gehalten. In dem Seminar wurden eine Vielzahl klassischer und aktueller Krisendiagnosen vorgestellt und es wurde diskutiert, wie Krisen und Kritik auf den Wandel von Form und Gehalt der Demokratie wirken. Den Syllabus des Seminars könnt ihr hier einsehen.

Eine der Leistungsanforderungen in dem Seminar war das Verfassen einer Rezension zu einem aktuellen Buch, welches sich mit der Krise der Demokratie beschäftigt. Aus der großen Zahl sehr guter Rezension wurden fünf für eine Veröffentlichung hier auf dem Theorieblog ausgewählt, viel Spaß beim Lesen:

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Au revoir demos! – Catherine Colliot-Thélènes „Demokratie ohne Volk“

Lesenotiz zu Catherine Colliot-Thélène 2011: Demokratie ohne Volk, Hamburg: Hamburger Edition.

 

Der moderne Nationalstaat hat als einziger Garant von Rechten die Staatsbürgerschaft nationalisiert. Doch die Anzahl der Machtinstanzen, bei denen das Subjekt die Anerkennung seiner Rechte einfordern kann, ist durch den heutigen Rechtspluralismus gestiegen. Aufgrund dessen kann es für die verschiedene Gruppen schwer sein, ihre Forderungen als eine geeinte Gemeinschaft zu erheben. Oder in den Worten von Catherine Colliot-Thélène, eine französische Philosophin und Professorin an der Universität Rennes I, radikal formuliert: „Durch die Pluralisierung des kratos lässt sich der demos nicht mehr zuordnen.“ (30) Diese Transformation der Bedeutung von Demokratie stellt die Bestimmung der Figur des politischen Subjekts infrage; das zentrale Thema von Colliot-Thélènes Buch „Demokratie ohne Volk“. (mehr …)

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